Bevor ich jetzt eine Unruhe auslöse: In der Post-Überschrift steht manchmal. MANCHMAL! Ich liebe Österreich, ich bin froh hier zu leben und ich mag die (meisten) Menschen gern, bzw. versuche stets, ohne Vorurteile Menschen gegenüber zu treten.
Ich liebe aber auch viele andere Länder. Und bevor ich auf diesen Post negative Kommentare oder Nachrichten wie in etwa “Sei doch froh hier zu sein”, “Dann zieh doch wo anders hin” oder “Steck nicht alle in einen Topf” bekomme, möchte ich anmerken: Meine folgende Auflistung betrifft weder die Gesamtheit noch die Hälfte aller ÖsterreicherInnen. Es ist eine Sammlung aus Erfahrungen und Erlebnissen, Eindrücken von Menschen aus anderen Ländern als auch häufig verwendete Klischees in diversen Comedy-Shows oder Kabaretts. 

 

  1. Österreicherinnen sind neidisch!
    Die Nachbarn haben ein neues Auto, der Cousin seine große Liebe gefunden und die beste Freundin hat im Lotto gewonnen. Ach … so eine Unverschämtheit!
    Das neue Auto wird ohnehin nicht lange halten, das hat ganz miese Bewertungen (hab ich von einem Arbeitskollegen gehört). Und die Neue des Cousins, die ist mir nicht ganz geheuer… ich bin mir sicher, dass sie etwas zu verstecken hat! Aber das wird er eh selber merken.
    Oh, und der Lottogewinn? Ja, toll, soll ich jetzt gratulieren, wenn jemand OHNE Fleiß zu Geld kommt? Das kann ja jeder!

    Liebe LeserInnen, bitte seid doch nicht immer so neidisch! Gönnen ist das Zauberwort. Gönnt doch den Mitmenschen etwas Gutes und auch wenn ihr es selber gerne hättet: Dann auf, auf und den Arsch dafür bewegen. Haben doch die Nachbarn, der Cousin und die Freundin auch gemacht? Neid löst doch nur negative Stimmung und Unzufriedenheit aus. Versucht doch mal zu gönnen, es ist wirklich bezaubernd wie schnell das die eigene Stimmung hebt!
  2. ÖsterreicherInnen sind geizig!
    50 Cent für ein Glas Leitungswasser? Frechheit!
    Ach, das Essen macht 19,80€ aus? Dann sind wird doch heute mal ganz großzügig- machen Sie 20€ daraus! Also Claudia hatte 1 Mini-Frühlingsrolle mehr als Tina, ich hatte auch nur 2 – Claudia, ist es okay wenn du dann einfach einen Euro mehr zahlst?
    Mein Favorit: Ach?! Ich dachte auf die Zitronen sei heute 10% Rabatt? Nein? Na, dann lass ich die bitte doch da!

    Sparen hin oder her, doch ganz ehrlich: Diesen einen Euro, dieses eine Getränk für die Freundin, das Trinkgeld im Restaurant – wieviel fehlt es euch denn aufs Jahr gerechnet? Sehr stark?
    Ja, Wünschen sollte man nachgehen und wenn man auf etwas spart, ist das nichts Schlechtes. Aber ganz ehrlich, bevor ich als Kellnerin 20 Cent Trinkgeld bekomme nehme ich lieber nichts da ich es als reine Verarsche sehe. Und ja, ich spreche aus Erfahrung.
    Und lieber gebe ich die Woche den Kaffee aus und fühle mich danach zwar um drei Euro leichter, aber um ein gutes Gefühl und eine wertschätzende Freundin reicher als jeden Cent umzudrehen. Alles, was man gibt, kommt in irgendeiner Form zurück, und da steh ich zu 100% dahinter!

  3. ÖsterreicherInnen sind unzufrieden!
    Wie geht es dir denn heute? – Naja ganz ehrlich, erst ist die Post zu spät gekommen, jetzt kann ich ernsthaft zur Post rennen, zweitens hab ich nur noch zwei Tage Urlaub und jetzt hab ich heute auch noch etwas Halskratzen bekommen. Aber ja, sonst ganz gut!

    So eine blöde Kuh hat mich heute nicht einspuren lassen, ich dachte ich spinne! Die hat doch genau gesehen, dass ich rein wollte und mich einfach ignoriert! Ich bin noch immer so wütend deshalb!

    Heute wollte so ein unsympathischer Anzugträger einfach vor mir einspuren, obwohl er von Weitem sicherlich schon gesehen hat, dass seine Spur gesperrt ist. Er wollte sich nur vordrängen. Aber nicht mit mir! Ich hab einfach so getan als sehe ich ihn nicht und ihm keinen Platz gelassen – Pech gehabt!

    Wie ist das Gefühl eigentlich, nachdem man jemanden nicht einspuren lässt, sich über eine so unglaublich unwichtige Kleinigkeit aufregt oder jemanden, mit dem man sich trifft, anzujammern als wär man der ärmste Mensch der Welt?
    Ich kann nur von mir ausgehen- und ich finds echt unangenehm und fühle mich dann richtig unsympathisch. Genau darum achte ich mehr auf solche Kleinigkeiten.
    Ausschlaggebend dafür waren zwei Erlebnisse in Amerika: In Miami sprach mich ein afroamerikanischer älterer Herr an, der diese berüchtigten Bustouren bewirbt. Ich lächelte ihn an und verneinte dankend. Der Herr schrie mir von hinten nach:”I can’t believe that I actually saw an European smiling. I’ve never seen that before!” Verblüfft darüber, dass er wusste, dass ich aus Europa bin und über seine Aussage ging ich nochmal zurück und fing an, mit dem Herrn zu quatschen. Als er hörte, dass ich aus Österreich komme, sagte er in etwa:”You must be some weird Austrian in your country, smiling all over your face!”
    Jep, so werden wir oft eingeschätzt…
    Das zweite Erlebnis war im Flugzeug zurück nach New York: Ich fing an, mich mit einer ursprünglich aus China stammenden Amerikanerin zu unterhalten, die ihren Platz neben mir hatte. Wir fingen an, über die Arbeit und über Urlaube zu sprechen. Als sie mir erzählte, dass AmerikanerInnen im Durchschnitt bei Arbeitseinstieg höchstens 2 Wochen Urlaub zustehen war ich schockiert. Verwundert über meine Reaktion fragte sie, wie dies denn in Österreich sei. Ich sagte ihr, dass bei uns 5 Wochen üblich sind. Die Dame fing an zu lachen und fragte:”What?! I can’t believe! Then, why are the Austrian people so angry most of the time? I’ve been there once and everybody on the street was looking grumpy!”
    Darauf konnte ich ihr natürlich keine Antwort geben, jedoch hatte ich erstmals das Gefühl, mich für mein Heimatland leicht fremd zu schämen.

    Ich merke gerade, dass meine Auflistungen immer länger werden – aber einen letzten Punkt hau ich noch drauf!

  4. ÖsterreicherInnen sind konservativ!
    Ach was, ihr heiratet nicht kirchlich?! Warum das denn?
    Also diese Artikel im Social Media Web über Sex gehen wirklich etwas zu weit… Sowas sollte man einfach in der Schule lernen!
    Auf die Talente und Begabungen der SchülerInnen eingehen? For what? Jeder wird gleich benotet, Zentralmatura für alle und überhaupt, im Turnunterricht sollte jeder gleich begabt sein! In Schweden machen die das anders? Das ist doch krank… unser Schulsystem ist seit 1774 das Selbe und genauso sollte das auch bleiben!

    Ich finde, dem ist einfach nichts hinzuzufügen… Ach, doch, eine kleine Info am Rande:
    Die Schmerzlinderung durch diverse Heilpraktiken wie beispielsweise Akupunktur wurde bereits vor Hunderten von Jahren entdeckt. Warum es in Österreich erst so spät eingeführt wurde?
    Naja, wer Schmerzen hat, hat offensichtlich gesündigt, und wer sündigt muss die Strafe Gottes durch Schmerzen aushalten – wir brauchen keine schmerzlindernden Maßnahmen! (Die für diese Aussage Verantwortlichen kann sich jeder selbst ausdenken, Bussi!)

Ich denke, Österreich ist ein schönes Land mit unzähligen Facetten und die Menschen sind nicht nur von Bundesland zu Bundesland grundverschieden sondern auch von Mensch zu Mensch.
Darum nehmt es doch ein bisschen mit Humor 😉 – zumindest daran fehlt es uns ÖsterreicherInnen nicht!

 

Alles Liebe,

Ana