Wenn ich eines gelernt hab, in den letzten eineinhalb Jahren, dann ist es Folgendes:
Wir können uns das Leben selbst sehr schwer machen, indem wir ständig nach unseren Erwartungen leben.
Anders wiederum können wir uns das Leben sehr leicht machen, indem wir anfangen, keine Erwartungen mehr zu stellen.


Erwartungen sind immer etwas, was aus der eigenen Erfahrung kommt.
Bin ich ein ehrlicher Mensch, so erwarte auch ich Ehrlichkeit von meinen Mitmenschen.
Halte ich fremden oder bekannten Menschen die Türen auf, dann erwarte ich auch, dass mir die Türe aufgehalten wird.
Und ist es für mich normal Gesundheit zu sagen, wenn jemand niest, dann erwarte ich auch, dass man das Gleiche bei mir tut.

Doch es  beginnt ja schon bei alltäglichen Erwartungen, wie zum Beispiel „wenn ich in ein teures Restaurant essen gehe, dann erwarte ich gutes Essen“.
Was passiert, wenn das Essen dann, was übrigens ohnehin eine subjektive Meinung ist, für uns nicht gut ist?
Wir sind enttäuscht, ärgern uns über das verlorene Geld und denken vermutlich noch beim Einschlafen über den vermeintlichen Reinfall nach.
Jetzt überlegt mal, wieviel Zeit wir aufgrund einer Erwartung mit negativen Gedanken verschwenden:
1-2h im Restaurant, eine halbe Stunde am Heimweg, den restlichen Abend zu Hause und dann noch beim Einschlafen, was dazu führt, dass unser Unterbewusstsein womöglich auch noch in der Nacht dieses Erlebnis weiter verarbeitet.
Somit sind wir bei mindestens 3 Stunden voller negativer Gedanken nur, weil wir erwartet haben, ein anderes Essen zu bekommen. Nicht zu vergessen, dass wir den Ärger dann noch bestärken, indem wir anderen Personen oder dem Tischpartner davon erzählen um sich dann miteinander darüber aufzuregen.

Wenn dich jemand fragen würde ob du Lust hast dich mindestens drei Stunden über eine banale Sache zu ärgern, würdest du es tun? Nein? Und dennoch machen wir das so, so oft.

Aber: das sollte nur ein kleines Beispiel sein.
Denn legt man das Ganze dann auf zwischenmenschliche Beziehungen um, womöglich bei Menschen, die wir eigentlich gern haben, so kann man sich vorstellen, wie einschränkend und hemmend diese eine Erwartung sein kann.
Erwarte ich, dass eine Freundin pünktlich zum Treffen kommt, weil ich es ja selber auch tue, und sie sich dann um einige Zeit verspätet, so löst das eine Grundstimmung aus, die schonmal nicht positiv behaftet ist.

Erwartet ein Partner vom anderen Blumen zum Geburtstag, da man es selber ja auch so machen würde, und diese sind dann nicht, wie erwartet, am Geburtstagstisch, ist man enttäuscht und vermiest sich womöglich den ganzen Geburtstag, auf den man sich seit einem Jahr freut.

Wenn ich einer Freundin etwas für mich Privates erzähle und sie es aber garnicht so wahrnimmt und mit einer dritten Person darüber spricht, dann kann das bis hin zu einem großen Vertrauensknacks in der Freundschaft kommen, da ich ja erwartet habe, dass sie das Gespräch für sich behält.

Werden bestimmte Erwartungen nicht eingehalten, so lösen sie in uns kleine bis größere Enttäuschungen aus, die dann für eine dauerhafte negative Grundstimmung sorgen.

Das heißt natürlich nicht, dass ich davon ausgehen soll, dass jeder das Gegenteilige oder Schlechte macht von dem, was ich machen würde – nein – denn das wäre ja wieder eine Erwartungen, wenn auch im negativen Sinne.

Was es aber heißt, ist:
Wir müssen verstehen, dass wir alle individuelle Personen mit individuellen Erlebnissen, Glaubenssätzen, Denkweisen, Sichtweisen, Weltbildern und somit auch Erwartungen sind.
Die Chance, dass jemand die gleichen Erwartungen hat wie wir und wir somit ohne Kommunikation das Gleiche sagen, tun, wollen ist so minimal, dass sie kaum auszurechnen ist.

Und da liegt das Stichwort: Kommunikation.
So lange ich meine Erwartungen nicht im Vorhinein ausspreche (das bezieht sich jetzt vor allem im Zwischenmenschlichen) sollte ich aufhören, welche zu erschaffen.
Teile ich meiner Freundin mit, dass ich gerne hätte, dass das Gespräch unter uns bleibt, so kennt sie meine Erwartungen und behält es (im besten Fall) für sich.
Tut sie es dennoch nicht, so wird meine Erwartung ‚Ehrlichkeit‘ gebrochen.
Natürlich könnte man an der Stelle sagen, dass ich auch keine Ehrlichkeit erwarten darf, obwohl ich ihr meine Erwartung mitteile, aber wie ihr sieht: wir können das ins Unendliche zerdenken.

Und auch, wenn du dir jetzt vielleicht denkst: Nein, ich vertraue darauf, dass meine Mitmenschen mich so gut kennen, dass sie mich nie enttäuschen würden. Ich brauche meine Erwartungen nicht zu ändern.
Auch dann liegt die Verantwortung voll und ganz bei dir – du selbst wählst wie du auf eine Situation reagierst.

Die Erwartungen wegzulassen ist einfach nur eine präventive Maßnahme, um mit weniger Ärger durch den Alltag zu kommen.

Das Ganze ist eine Übungssache und kann mit kleinen Schritten erlernt werden:
Wenn du das nächste Mal zur Haltestelle der U-Bahn o. ä. gehst, erwarte nicht, dass diese sofort kommt, oder in einer bestimmten Minutenanzahl.
Geh einfach hin und nimm an, was auf der Anzeige steht – ändern können wir es ja ohnehin nicht.

Schritt für Schritt lassen sich diese kleine Übungen in den Alltag integrieren und ihr werdet sehen:
Eure Stimmung wird nicht mehr vom Außen abhängig sein – und was Schöneres gibt es nicht!

Alles Liebe,
Ana