Hallo ihr Lieben,

nach langer Zeit melde ich ich mal wieder zu Wort.
Schon lange plane ich, einen Beitrag zur Selbständigkeit zu schreiben, da sich mehr verändert hat, als ich mir je gedacht/erträumt hätte. Vieles im Positiven Sinne und vieles auch in eine Richtung, die ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einordnen kann.

Klar ist die Spate, in der ich selbständig bin, vielleicht eine ganz andere wie viele von euch machen/machen wollen, aber ich bin mir sicher, dass die Veränderungen zu einem Teil ziemlich deckend sind.

Ihr wisst, ich bin ein Freund der Aufzählungen, also werd ich euch jetzt einfach die für mich bisher dominantesten Punkte zeigen und versuchen, (auch für mich) zu erklären.


  1. Prioritäten
    Wenn sich eines stark verändert hat, dann sind es meine Prioritäten.
    Anfangs hatte ich das alles noch nicht ganz so bemerkt, doch irgendwann ist mir dann aufgefallen, wie unwichtig Dinge werden, die früher für mich an erster Stelle standen.
    Eines dieser Dinge war auf alle Fälle mal der Sport. Ich brauchte lange, eigentlich bis jetzt, um das Ganze wieder einpendeln zu können. 
    Erst dachte ich mir, mit der Selbständigkeit werde ich auch wieder viel mehr Sport machen können, da ich ja viel mehr und vor allem freie Zeiteinteilung habe. Nach dem L.A. Urlaub fehlte mir jedoch erstmals das große „Ziel“ und die Motivation.
    Ich wurde auch ein paar Mal krank, hatte einige Trainingspausen aber vor allem: Ich wollte keine 2h meines Tages hergeben, da ich genau wusste, wie effizient und für was ich diese 2h noch nutzen konnte: Für mich, für meine Selbständigkeit.
    Am Anfang machte ich mir darum große Vorwürfe, habe jeden Tag daran gedacht, dass ich die Woche „erst“ ein- oder zweimal beim Sport war und zwang mich irgendwie immer wieder ins Gym. Irgendwann, nach ungefähr 4 Monaten fiel mir dann das erste Mal auf: Ich habe seit 4 Tage nicht EINMAL an Sport gedacht. Das klingt jetzt vielleicht sehr übertrieben, aber seit ich mit dem Fitness begonnen habe, und das sind einige Jahre, hatte ich keinen Tag, an dem ich nicht ans Training gedacht habe. Und ganz ehrlich: das Gefühl, ohne schlechtem Gewissen einfach das zu tun, was ich tun muss ungerne mache, war wirklich nice!!
    Und mit diesem Gefühl kam auch die Lust zum Sport wieder, da ich den Zwang, diesen jahrelangen Druck, wegbekommen habe. Nun steht der Sport bei mir zwar bei den Prioritäten auch noch hinter der Selbständigkeit, jedoch wieder um einiges weiter oben!
    Nun, passend zu den Prioritäten kommt es zum nächsten und manchmal auch schwersten Punkt:
  2. Freundeskreis/Umfeld
    Dieser Punkt hat sich derart verändert, dass ich mich manchmal wirklich hinsetze und zu verstehen versuche, wann sich das entwickelt hat und warum.
    Ich war nie „die Art von Mädchen“, die Freunde ohne Ende hat. Hatte ich zwei Gute, dann war ich schon gut dabei haha.
    In Wien hat sich das nach einiger Zeit sehr verändert und die letzten 2 Jahre hatte ich dann eigentlich so viele „Coffeedates“, Trainingssessions etc., dass ich mir meine Woche danach einteilen musste. Ich habe es genoßen, mal zu sehen wie es ist, viele Menschen um sich zu haben und einige davon mehr als Bekannte betiteln zu dürfen.
    Mit der Selbständigkeit habe ich dann, auch erst nach einiger Zeit, bemerkt, dass ich eine gewisse „Abneigung“ hinsichtlich einiger Treffen entwickelte. Keine im Sinne von Hass oder sonstigem Persönlichem sondern eher im Sinne von „Habe ich dafür auch WIRKLICH Zeit?“
    Aus dieser Frage sind dann auch mehrere geworden:
    Wie bringt mich dieses Treffen weiter? Was könnte ich in der Zeit des Treffens sonst noch alles machen? Sollte ich dieses Treffen nicht besser verschieben? (Und oft auch: Kann ich das Treffen wirklich WIEDER verschieben?)
    Es mag gemein klingen, egoistisch, alles andere als selbstlos aber:
    Ich konnte und kann dieses Gefühl nicht steuern.
    Die Entwicklung und die Umstellung in meinem Denken hat mir Blockaden zu Menschen aufgestellt, die ich vorher nicht gesehen habe und die ich auch nicht überwinden konnte oder wollte.
    Andererseits hat sie mir aber Wege zu Menschen gezeigt, für die ich mehr als dankbar bin. Wege zu Menschen, die gleich Denken und gleich Handeln, die ich vor einem Jahr vermutlich nie kennen gelernt hätte.
    Man sagt, das Umfeld spiegelt einen wider, und so stark wie jetzt habe ich das noch nie bemerkt.
    Ich habe vor Kurzem einen schönen Text auf Instagram gelesen, in dem es hieß:
    Ich dachte immer, Persönlichkeitsentwicklung eröffnet mir die Türen zu jedem Schloss. Doch in Wahrheit ist es nur eine Tür die sich öffnet, während sich eine andere schließt.
    Ich denke, das trifft den Nagel auf dem Kopf.
    Hierbei möchte ich hinzufügen, dass nicht mein ganzes Umfeld ausgetauscht wurde, sondern es sich einfach verändert hat. Ich habe viele Menschen um mich, die mich in dem großen Schritt der Veränderung gestützt haben, mich begleitet haben und die ich auch jetzt noch immer wieder nerve mit Fragen wie: Habe ich mich zum Negativen verändert? Bin ich egoistisch geworden? (Ja, auch Selbstzweifel sind ein Begleiter der Veränderung, da man es anfangs einfach nicht versteht)
    Um diesen Punkt vielleicht etwas zu verdeutlichen möchte ich zum nächsten Punkt kommen:
  3. Die Zeit – so kostbar wie noch nie
    Man soll sein Leben nicht „auf Zeit“ leben. Man soll sich nicht nach einem vor unzähligen Jahren erfundenem Druckmittel richten. Man soll das Leben genießen, da Zeit nur eine Zahl ist.
    Ja, ich weiß, und so dachte ich bisher bzw. denke ich zum Teil immer noch.
    Aber wenn du weißt, das jede investierte Sekunde eine Sekunde ist, die dich weiter zu deinem Ziel, weswegen du überhaupt begonnen hast, bringt, dann verändert sich das mit der Zeit.
    Zeit wird kostbar, und so materialistisch es auch klingen mag, Zeit wird zu Geld.
    Ich bin kein Mensch, der dem großen Geld nachstrebt, bin ich nie gewesen, doch es gibt diese Träume, die ich in diesem Leben noch erfüllen möchte. Und einige davon sind mit Kosten verbunden.
    Das ist mitunter auch der größte Grund, warum sich die Prioritäten derart verändern. Die Tage scheinen kürzer zu sein, denn es gibt ständig etwas zu tun, zu verbessern.

    Dazu ein kleiner Unterpunkt: Das Geldthema, das nun wirklich NIE jemand anspricht:
    Selbständig zu sein bedeutet oft oder meist, sich mit dem Gedanken anzufreunden, mal mindestens 1 Jahr kaum oder gerade genug Geld zu haben, seine Fixkosten decken zu können. Ich, als sehr, seeeehr ungeduldiger Mensch, habe einige Zeit gebraucht, um zu akzeptieren, dass ich nach 5 Monaten „immer“ noch keinen Riesenurlaub buchen kann.
    Gerade heutzutage, wo gefühlt jeder 2. Mensch ständig reist (Hallo Instagramreality) ist die Lust aufs Reisen um ein Vielfaches größer geworden. Man wird regelrecht zugespamt mit Fotos vom Strand, Orte, welche, je weiter weg sie sind, desto mystischer und interessanter wirken und schöne Städte.
    Und bitte: Ich gönne es jedem einzelnen vom Herzen, denn jeder baut sich sein Leben so, wie er es leben möchte.
    Aber nur ein kleiner Unterpunkt, um auch dieses wichtige Thema angesprochen zu haben. Nun aber weiter zur kostbaren Zeit:

    Es gibt auch nicht mehr wirklich das „lang ersehnte“ Wochenende, an dem man Chillen kann, nein, das Wochenende wird zu den zwei Tagen, an denen man endlich noch mehr Zeit hat, in die eigenen Träume zu investieren.
    Ich gehöre zu den Menschen, die nicht bis Mittag schlafen können oder möchten, jedoch habe ich es immer als angenehm empfunden, auszuschlafen. Aber auch das ist etwas, was ich nichtmal mehr an mir verstehen kann, denn jede Stunde, die ich länger im Bett liege, sinnlos durchs Handy scrolle etc. ist einfach irgendwo verschwendet (für mich, versteht sich! Alles hier Geschriebene beziehe ich natürlich auf mich!).
    Andererseits ist es mir VÖLLIG egal, erst um halb 9 Uhr abends von der Arbeit heimzukommen. Ich fühle mich nicht einmal erschöpft, da ich es mir ja aussuche, das zu tun, und weil es mir Spaß macht, mich weiterbringt und mich erfüllt.
    Das alles klingt sehr positiv, wie auf einem Adrenalin Trip, aber es ist auch noch ein großer Lernprozess für mich, wie ich im nächsten und letzten Punkt erklären möchte:

  4. Selbstständig = Selbst und ständig? Ein 24/7-Job
    Ich habe nach meinem Studium bereits 2 Jahre lang 40h die Woche gearbeitet. Ich kenne also ungefähr den Kontrast zwischen meiner jetzigen Situation und von „damals“.
    Bin ich früher von der Arbeit nach Hause gekommen, habe ich nicht mehr 1 Sekunde lang an die Arbeit gedacht.
    Von 8:00-16:00 Uhr, das sind 8h meines 24h-Tages, an denen ich mich mit Arbeit beschäftigt habe. Die anderen 16h waren mir überlassen. 6h-8h davon fürs Schlafen, der Rest für MICH, um zu tun, was auch immer mir in den Sinn gekommen ist, aber vor allem, um abzuschalten.
    Dieses Gefühl vermisse ich oft.
    Am Anfang meiner Selbständigkeit habe ich mich erst herangetastet und das ganze Gefühl der „Freiheit“ regelrecht beschnuppert. Wie ich am Besten meinen Tag einteile, was ich alles zu tun habe – ich mein OIDA, ich wusste ja nicht mal, was ich zu tun habe und was alles noch auf mich zukommt!
    Auch damals hatte ich noch unzählige Stunden, aufgrund dieser Unwissenheit, in denen ich nicht ans Arbeiten gedacht habe.
    Wie ist es jetzt? Ganz ehrlich:
    Mein letzter Gedanke, bevor ich endlich in den Schlaf falle, ist die Selbständigkeit. Meine erster Gedanke, sobald mein Gehirn bewusst denken kann in der Früh, ist die Selbständigkeit.
    Oft kann ich ewig nicht schlafen und wälze mich hin und her, da ständig Dinge in meinen Kopf geschoßen kommen, was ich NOCH tun muss, was ich ausbessern könnte, was ich verändern sollte und was ich effizienter gestalten kann.
    Oft steh ich dann nochmal auf, geh in meine Handy Notizen und schreib mir das alles rein, um zumindest nicht mehr den Gedanken zu haben, sich das ja bis morgen zu merken. (Und was wissen wir? Sobald wir abends oder nachts nochmal ins Handy schauen, sind wir wieder putzmunter haha)
    Jetzt fragt man sich, wieso ich das nicht gleich vorm Schlafen gehen mache?
    Naja, weil ich es einfach nicht steuern kann. Ich kann nicht steuern, was mir später noch in den Sinn kommt, an was ich denken werden etc.
    Und das gleiche „Problem“ weckt mich wiederum morgens auf:
    Sobald ich nur kurz wach werde, diese paar Sekunden, in denen ich früher wusste, ich kann noch 1-2h schlafen – genau in diesen Sekunden rattert diese Maschine in meinem Kopf los und erinnert mich wieder daran, was ich verbessern wollte, was ich ändern sollte, was ich noch zu tun habe. Dann weiterschlafe. zu können bleibt meist Wunschdenken.
    Ich muss jedoch sagen, dass ich diesen Aspekt, auch wenns dann manchmal nur 6h Schlaf sind, sympathisch finde, da der Tag wiederum länger ist und ich Dinge, die ich normal zwischen den Hausbesuchen erledige, in der Früh machen kann (sowie jetzt gerade diesen Blogpost zu schreiben haha).

    Hinsichtlich des letzten Punktes muss ich noch viel lernen – ich schaffe es selten, abzuschalten, hab bei den kürzesten Meditationseinheiten (5 Minuten) Probleme, mich zu entspannen (weswegen ich es derzeit mit einer Minute probiere) und bin auch häufig einfach angespannt. Daher mag letzterer Punkt vielleicht ein von mir erschaffenes Problem sein, vielleicht jedoch auch ein ganz normaler Aspekt in der Selbständigkeit, an den ich mich erst gewöhnen muss.
    Das Ding ist: Ich weiß es nicht und muss es selbst herausfinden. Denn das alles wurde uns nicht beigebracht, nicht in der Schule, nicht in der Erziehung, nicht im Studium.

    Conclusio:

    Leute, das ist es, was ihr auf Instagram nicht oder nie mitbekommt. Das ist ein Teil der WIRKLICHEN Realität, wie es mir derzeit geht, was sich für mich verändert und mit was ich mich beschäftige, wenn ich keine Stories mache, nicht poste etc.
    Und mir war es wichtig, auch all denen, die den selben Schritt wagen, zu zeigen, was auf einen zukommt.
    ABER: Ich würde meine derzeitige Situation gegen nichts auf der Welt tauschen. Es geht mir, trotz allem, derart gut, ich genieße jede neue Erfahrung, die ich machen darf, ich genieße es, mittlerweile Social Media als Nebenjob sehen zu können, ich genieße alle Freiheiten, mein eigener Boss zu sein, selbst für meinen Weg verantwortlich zu sein.
    Wirklich, ich LIEBE es 🙂

    Ich hoffe, ich hab euch einen kleinen aber verständlichen Einblick geben können und wie immer freue ich mich auch hier wieder über jegliches Feedback!

    Alles Liebe,
    Ana