RESILIENZ

Klingt ganz cool… aber was ist das?


Mit Resilienz wird sich in unzähligen Forschungsbereichen beschäftigt. Nimmt man die Psychologie, so ist Resilienz die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und diese durch Zurückgreifen auf persönliche und soziale Ressourcen als Anlass für die eigene Entwicklung zu nutzen.
Fragt man eine/n Neurologen/Neurologin, so wird man hören, dass Resilienz die Anpassungsfähigkeit des Gehirns ist, sich nach Verletzungen und deren Schäden wieder zu regenerieren.
In der Materialwissenschaft ist die Resilienz die Fähigkeit, nach einer elastischen Verformung in den Ausgangspunkt zurückzukehren. 

Wie ihr deutlich erkennen könnt, ist der Grundstein der Resilienz immer derselbe, anwendbar in vielen Bereichen. In meinen Worten würde ich Resilienz als eines der wichtigsten Fähigkeiten im Alltag sehen, um nicht Stress zu managen, sondern diesem vorzubeugen und somit zu vermeiden.
Im Kurs haben wir etliche Übungen durchgeführt, in denen sich hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt wurde. Dies war zwar anstrengend, jedoch sehr lehrreich und interessant. Diese Übungen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten!

 

Als Symbol für Resilienz wird häufig der Bambus verwendet. Er biegt sich, weht im Wind, ist jeglichen Naturschauspielen ausgesetzt aber bringt sich immer wieder in seine ursprüngliche Form zurück.

 

 

Grundsätzlich kann mein seine Resilienz in vier verschiedenen Kompetenzbereichen ausbauen/verbessern:

  • Mindset: Fördern von Achtsamkeit, Lenken der Aufmerksamkeit auf Ressourcen, Anregen der Neuroplastizität
  • Embodiment: Entwicklung von einer offenen Haltung, Abbau von Verspannungen und Fördern von Flexibilität, Abbau von Stressmustern und negativen Markern
  • Interaktion mit Anderen: Fördern des sozialen Engagements, Aufbau von Sicherheit und gegenseitiges Stärken im Umgang mit anderen
  • Kontext-Gestaltung: Selbstausdruck und Potentialentfaltung

Ich denke, man kann für sich gut entscheiden, wo man bereits eine starke Resilienz besitzt, und wo es noch Entwicklungsbedarf gibt. Doch was beeinflusst unsere Resilienz, und vor allem, was schränkt sie ein?

Ein großes Thema, was uns weiterhelfen, jedoch auch einschränken kann, sind Glaubenssätze, welche oft unbewusste Überzeugungen sind, die sich bereits in der Kindheit entwickeln können:
Ich war nie sportlich!“, „Ich bin nichts wert!“, „Alle haben Glück, außer mir“!, etc…
Dazu gibt es eine einfache und gute Übung, um genau solche unausgesprochenen, unterbewussten Glaubenssätze umzuwandeln:
Wie wäre es mit „Ich habe noch nicht meinen Sport gefunden, werde aber weiterhin Verschiedenes ausprobieren!“; oder „Ich freue mich wenn jemand Glück hat, irgendwann wird es auch mich treffen!“.

Eine weitere tolle Übung, um das eigene Gehirn wiedermal richtig zu „putzen“ ist das Achten auf Denkfallen:
Voreilige Schlüsse ziehen (Annahmen ohne jegliche Beweise);
Personalisieren (Ich-Denken, sich für etwas die Schuld geben);
Externalisieren (anderen für etwas die Schuld geben);
Gedanken lesen (annehmen zu wissen, was andere denken ODER erwarten, dass andere wissen, was wir denken);
emotionales 
Argumentieren (falsche Schlussfolgerungen aufgrund von Gefühlen statt Tatsachen); Übergeneralisieren („Immer passiert mir irgendwas“);
Über-/Unterbewerten;
„Aus einer Mücke einen Elefanten machen“

Und jetzt denkt mal in euch hinein und seid ehrlich: Wie oft wendet ihr eine dieser Denkfallen an? Was für Gefühle löst das aus – negative oder positive? Wenn wir im Alltag etwas mehr auf diese Denkgewohnheiten Acht geben, dann entwickeln wir neue Synapsen im Hirn, um bald automatisch eine größere Resilienz zu entwickeln. Klar ist es nicht immer und überall möglich, schließlich sind wir alle Menschen! Doch wenn wir unsere Achtsamkeit etwas mehr darauf fokussieren ist das schon ein kleiner Anfang!

Im Alltag kommen wir ständig mit Menschen zusammen.

Einige mögen wir, einige nerven uns jedoch auch.
Und tatsächlich gibt es dann mal die Menschen, bei denen wir einfach nicht mehr resilient und achtsam denken können (ich denke, wirklich JEDER hatte oder hat das Problem).
Blöd ist es dann, wenn wir diese Menschen schwer vermeiden können, wie z.B. KollegInnen in der Arbeit oder die Freunde einer Freundin etc.
Hierfür hab ich mir eine Übung besonders zu Herzen genommen. Unsere Vortragende sagte:
„Ich gebe mir jeden Tag nach dem Aufstehen 100 Punkte. Wenn ich dann jemandem begegne, der mich aufregt oder nervt, so erinnere ich nicht daran, dass der Energieaufwand dafür mind. 20 Punkte wären. Und diese Punkte benötige ich aber vielleicht am Nachmittag für etwas, was mir wirklich Spaß macht.“
Ich finde dieses Denken wirklich hilfreich und habe es bisher schon ein, zweimal probiert. Unglaublich, wie sehr ich bereits im minus wäre, hätte ich mich da über jede/n Einzelne/n aufgeregt.

Zwei Übungen, bei denen man merkt, wie sehr man sich selbst einschränkt indem man sich gewisse Gedanken nicht mal „erlaubt“ möchte ich euch ebenfalls mitgeben. Es ist spannend, wie sehr man sich für Meinungsfreiheit, Kreativität und Toleranz einsetzt, sich jedoch selber, im eigenen Kopf, Grenzen setzt:

1. Die gute Fee:
Stellt euch vor, eine Fee erfüllt euch 10 Wünsche – was wären diese?

Bei dieser Übung finde ich es sehr interessant, wie oft man denk „Okay, das ist jetzt übertrieben“ oder „Das ist vieeel zu unrealistisch!“.
Ist doch scheissegal oder? Das sind eure Gedanken, das ist eine Fee und die kann verdammt nochmal alles zaubern, was ihr wollt!


2. Dein größtes Vorbild:
Wer war dein allergrößtes Vorbild in der Kindheit? Egal ob fiktive Charaktere, Sänger, Zeichentrickfiguren oder Schauspieler; wer hat euch wirklich inspiriert und beeinflusst?

 (Könnt ihr meines erkennen?)

Wenn ihr euer Kindheitsvorbild habt, dann überlegt, was waren die Eigenschaften und Charakteristiken, die euch so beeindruckt haben?
Nehmt euch eine Eigenschaft zu Herzen, die euch besonders inspiriert hat, und versucht ein bisschen danach zu leben – ich finde diese Idee total schön, da man als Kind noch so unvoreingenommen und offen ist und das im Laufe des Erwachsenwerdens einfach verliert.

Einen letzten Punkt zur Stressvorbeugung möchte ich noch ansprechen, der mir persönlich auch sehr geholfen hat:
Heutzutage ist es immer mehr Trend, viel zu machen, viel zu schaffen, nicht faul zu sein, Projekte zu erstellen, präsentieren, was man nicht alles erreicht hat UND hinzu kommt, dass dies auch alles meist erwartet wird, egal in welchen Situationen.
Doch dieser Druck wirkt sich aus – oft sehr negativ. Ich selbst habe es an mir bemerkt, als diese eigenartigen Bauchschmerzen begonnen haben, die ich so noch nie hatte. ich habe mich untersuchen lassen in allen möglichen Formen und immer wieder wurde mir die selbe Frage gestellt: Stehen sie derzeit unter Stress?
Irgendwann habe ich es schlussendlich auch eingesehen: Es ist zu viel!
Warum mir das passiert ist? Weil ich ungeduldig bin! Weil ich es jeden Recht machen möchte! Und das alles am Besten schnell!
Dies sind die gefährlichen Antreiber, die wir besitzen:
„Beeil dich!“
„Sei perfekt!“
„Mach es allen Recht!“
„Streng dich an!“
„Sei stark!“
Natürlich hat jeder dieser Antreiber positive Ansätze, doch wie überall macht die Dosis das Gift. Klar ist es schön, wenn ich es jedem recht machen möchte, aber ich darf nicht vergessen mich als erstes zu fragen:“Passt es mir auch? Ist es mir recht?“
Genauso wie hier kann man sich auch bei einem überdosierten „Sei stark“ vorhalten: Ich kann um Hilfe bitten, ohne mein Gesicht zu verlieren! Ich darf offen sein und mich zeigen!
Sobald ich merke, dass mein Bauch wieder anspannt, versuche ich nun zu analysieren, welcher Antreiber es zurzeit wiedermal übertreibt und arbeite dann mit genau diesem Antreiber.
Für jede/n, der/die sich schwer tut die richtigen Sätze dafür zu finden, sind hier noch ein paar Beispiele:
„Beeil dich!“ – Ich kann entscheiden, ob und wann ich mich beeile! Ich darf Pausen machen!
„Sei perfekt!“ – Ich bin vor allem wertvoll durch das, was ich bin! Ich darf auch Fehler machen und aus ihnen lernen!
„Streng dich an!“ – Auch wenn es leicht geht, ist es wertvoll! Ich darf mich immer wieder entspannen und Fortschritte genießen!

Und wenn mal wirklich viel zu tun ist: Achtet darauf, nicht zu viele Veränderungen im Leben zuzulassen, soweit dies möglich ist. Steht eine große Jobumstellung an, so ist es wichtig, den Alltag so gut wie möglich regelmäßig und gleichbleibend zu gestalten.
Steht z.B. ein Umzug oder ein größeres Projekt bevor, so schaut, dass es in der Arbeit routiniert und gleich bleibt.
Ich stell mir das bildlich wie Linien vor: Kommt eine ins schwanken, so sollten die anderen gerade bleiben, ansonsten kreuzen sie sich und sind einander im Weg!

So, ich denke, ich habe meine Blogpost-Länge hiermit übertroffen und mein Gehirn durch das Schreiben ebenfalls wieder ordentlich durchgeputzt!
Solltet ihr fragen zu Übungen haben oder auch Literaturen zu diesem Thema haben, dann schreibt mir einfach hier in den Kommentaren, per Mail oder auf Instagram 

Ich hoffe, ihr könnt einige Gedanken mitnehmen!
Alles Liebe,

Ana