Hallo ihr Lieben!

Ihr habt mich vor einigen Wochen darum gebeten, mehr über meinen Job zu erzählen, daher werd ich das so gut wie möglich in meinen Worten erklären und die Zeilen mit einigen Bildern füllen, die grundsätzlich nichts mit meinem Beruf zu tun haben 😀 


Wie kommt man zu diesen Beruf?

Um Ergotherapeutin zu werden muss man ein 3-jähriges Studium an einer Fachhochschule absolvieren. Der Abschluss ist dann ein Bachelor of Science.
Die Aufnahmeprüfung besteht aus 3 Teilen :
1 schriftlicher Test
1 Rollenspiel
1 persönliches Gespräch, für welches man auch was vorbereiten muss

Die Durchschnittsanzahl der BewerberInnen liegt bei 400 Leuten pro Jahrgang (an einer FH), davon werden 30 BewerberInnen genommen, wobei von den 30 nur 2-3 „FrischmaturantInnen“ aufgenommen werden. Die restlichen BewerberInnen sollten schon ein soziales Jahr o. Ä. gemacht haben.

Wie kam ich zur Ergotherapie?

Aus persönlichen Gründen hat meine Mutter damals bereits die Ergotherapie kennengelernt.
Kurz vor der Matura (als auch Jahre danach haha) wusste ich einfach nicht, was ich danach studieren sollte.
Das Einzige was ich wusste war: etwas im medizinischen Bereich.
Als erste Wahl fiel mir ein Medizinstudium ein (loool). Dann schlug meine Mutter damals die Ergotherapie vor. Die sollte angeblich wie für mich gemacht sein 😀 Auch die restliche Familie hat diese Meinung vertreten, und da ich ohnehin keine Ahnung von nichts hatte, habe ich mich sowohl für das Medizinstudium als auch für das Ergotherapiestudium angemeldet.
Gelernt habe ich für keines von Beiden.

Als ich dann die ersten 2 Aufnahmeteile aus unerfindlichen Gründen schaffte, schaute ich mir am Weg nach Wien (damals wohnte ich noch zuhause) mal auf Wikipedia an, was Ergotherapie eigentlich ist, um mich beim persönlichen Gespräch nicht komplett zu blamieren haha – ja, ich wusste sehr, sehr lange nicht, was da genau ist; so wie die meisten (auch noch unterm Studium :D).

Lange Schreiberei, kurz zusammengefasst: Ich schaffte auch den letzten Teil und durfte dann aus 400 BewerberInnen eine der 3 MaturantInnen sein, die das Studium antreten kann.
Klingt jetzt sehr nach Selbstlob aber zurück blickend ist es das auch 😀 – hey, ich hatte null Ahnung, für was ich mich da überhaupt bewerbe haha.

Was macht man als ErgotherapeutIn?

Der Grundsatz der Ergotherapie ist: Alltagsbewätigung! Egal ob aus psychischen oder physischen Gründen.
Ist der Alltag aus diesen Gründen nicht mehr alleine oder nur mit Unterstützung möglich, so „kümmert“ sich die Ergotherapie darum, dass die Leute den Alltag wieder alleine oder mit Hilfsmitteln bewältigen können.
Ist auch dies nicht mehr möglich, so hilft die Ergotherapie dabei, etwas zu finden, mit dem man den Alltag wieder füllen kann.
Alles in allem ist also auch sehr viel Kreativität gefragt.

Arbeiten kann ich in der: Neurologie, Psychiatrie, Pädiatrie (Kinder), Orthopädie, Geriatrie (ältere Menschen) als auch in der ergonomischen Beratung (in Firmen den Arbeitsplatz beraten in Hinblick auf Gesundheit). Auch nach dem Studium kann ich mir aussuchen, in welchem Bereich ich arbeiten möchte und kann dies auch jederzeit switchen, was für mich sehr attraktiv klang.

Ein typisches Beispiel aus der Neurologie: Der Pat. hatte einen Schlaganfall, kann nun den rechten Arm nicht mehr gut einsetzen, da dieser sehr an Kraft und Koordination verloren hat. Ihm ist es wichtig, sich alleine seine Jacke anzuziehen und wieder zu kochen. Ziel ist es also, Kraft und Koordination aufzubauen und dies direkt an der Tätigkeit (Kochen) anzuwenden und zu üben! 🙂

Ein Beispiel aus der Geriatrie: Eine alte Dame wohnt noch zuhause, sie tut sich aber schwer sich Dinge zu merken. Sie weiß meist nicht,  was sie einkaufen muss, wann die Arzttermine sind und hat generell Angst, sie könnte dement sein.
Ziel ist es wieder, das Gedächtnis zu trainieren (kognitives Training) und Hilfsmitteln finden, die ihr den Alltag erleichtern.

Auch demente Menschen werden in der Ergotherapie behandelt. Das geht allerdings noch etwas tiefer und kann sehr, sehr viel bewirken.

Und was mache ICH jetzt genau?

Ich habe mich ja Anfang des Jahres selbständig gemacht und in einer Praxis eingemietet, und zwar im Therapie-Kreis!
Die Praxis zu finden war für mich eine echte Glückssträhne:
Nicht nur, dass das Team dort extrem zielstrebig und positiv ist, ich werde auch zu 100% unterstützt, was in der Selbständigkeit nicht selbstverständlich ist.
(Und außerdem gibt es dort PFLANZLICHE MILCH für den Kaffee 😀 haha).
Ich habe zwar kaum noch PatientInnen dort, jedoch komme ich oft auch so zum arbeiten hin, weil die Praxis wirklich so, so schön ist! (Und apropos haben wir dort einen top Osteopathen, für alle, die einen brauchen )

Zuvor habe ich 2 Jahre in einem Pflegewohnheim gearbeitet, wo ich reichlich an Erfahrung sammeln konnte 🙂
Der Switch von einem 40-Stunden Job zu einem 10h Job (derzeit, ausgenommen von IG und meinem Blog) war ungewohnt aber NICE und daher setze ich alles daran, nie wieder was anderes machen zu „müssen“.
Natürlich hätte ich gern einen Kundenstock, bei dem ich auch wieder 40h arbeiten könnte, aber daran arbeite ich ja 🙂
Und gleich mal vorweg: Ich möchte niemanden nahe treten oder beleidigen, weil jemand einen 40h Job hat – jeder ist anders und daher hat auch jeder andere Präferenzen. Ich war auch vollkommen zufrieden mit meinem Job aber wusste ja nicht, wie es anders ist – und das habe ich jetzt für mich herausgefunden! 

Ja, und das ist das, was ich mache 😀
Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Überblick und könnt euch jetzt ein Bild machen –

wünsche euch einen schönen Tag!

Alles Liebe,

 

Ana