Nach langer Zeit melde ich mich wieder bei euch mit einem neuen Blogpost. Passend zum Titel kann ich mich auch gleich mal entschuldigen, denn zum Schreiben bin ich die letzte Zeit aufgrund der Selbständigkeit (oder aufgrund von mir) nicht gekommen.

Das letzte Jahr, 2019, war mit Sicherheit das Jahr mit der intensivsten Selbstentwicklung und auch Selbstverwirklichung meines Lebens.
Mit den meisten Up’s and Down’s, den stärksten Emotionen, den größten Emotionen.

 


Und ich bin so DANKBAR für jede einzelne Erfahrung!
Aber kommen wir mal zum Anfang: Ich glaube, ich kann mein erstes Jahr der Selbständigkeit perfekt in kleinen Etappen präsentieren:

 

  1. Die „High-Life“ Phase:
    GEIL – mich selbständig machen. „Ich steh nie wieder vor 7 auf, außer, ich flieg auf Urlaub!“.
    Das war meine erste Aussage, meine erste „Erleuchtung“, die mir zu dem Ganzen einfiel haha.
    Ich habe dann schnell mal bemerkt, dass ich nicht nur chillen kann und meine Patienten nicht daher gelaufen kommen und um eine Therapie bitten. 
    Daher hab ich begonnen, von Arzt zu Arzt, Tür zu Tür zu laufen und mich selbst sozusagen zu vermarkten. Klingt fast genauso easy wie es war: Ja, ich bin etwas durch Wien gefahren und hab Ärztelisten geführt, aber mehr als 3h-4h am Tag hat das nicht in Anspruch genommen.
    Der restliche Tag bestand aus Netflix, wenns hochkommt einem Hausbesuch, montags Praxis und essen  (lol). Wie sagt man so schön? „Oh, little did she know“….
  2. Die absolute Verzweiflungs-Phase 
    Mittlerweile schon über 3 Monate selbständig, langsam kommen mehr und mehr Patientinnen und dadurch auch mehr und mehr Rechnungen, mehr Honorarnoten, mehr Angehörige, mehr SVA, mehr Bürokratie. Da fehlt was, dort hab ich was vergessen, das hab ich garnicht gewusst – WTF?!
    Ich war am Rande der Verzweiflung. Jedes Mal, wenn mich mein Kollege von der Praxis anrief wusste ich, dass schon wieder etwas falsch geschrieben oder durchgeführt wurde.
    Jedes Mal war ich aber zugleich dankbar, da mit größter Geduld (von der anderen Seite) immer alles erklärt wurde. Ich bekam aber das erste mal so richtig zu spüren: Das ist nicht soooo easy, wie du gedacht hast (du Gurke!!). Insgeheim wusste ich ja, das kann nicht alles so leicht sein.
    Und vor allem bekam ich das erste Mal mit: Selbst und Ständig ist nicht nur ein Spruch!!
    Womit ich eigentlich schon in der nächsten Phase wäre:
  3. Die „Aha-Moment“-Phase ft. die „Hustler“-Phase
    Ich bin gewachsen und habe gelernt – ich habe mittlerweile gelernt, dass selbstständig, für sich zu arbeiten, wirklich für sich zu ARBEITEN bedeutet. Und das man genau das rausbekommt, was man auch an Effort hineinsteckt!
    Ich habe endlich verstanden, dass es IMMER was zu tun gibt – dass es keinen Moment gibt, an dem ich sagen kann: Heute bin ich fertig, ich hab nichts mehr zu tun. Passender: Heute freut es mich nicht mehr, ich schiebe es auf einen Tag der Woche, an dem ich weniger Patienten habe.
    Ich wusste: DU MUSST DEINEN ARSCH BEWEGEN UND ZWAR RICHTIG. 
    Da begann ich, mir Pläne zu erstellen, endlich ordentlich zu werden (ich bin eigentlich so ein Chaot), ich begann, eine Routine rein zu bekommen, spätestens 2 Stunden vor der ersten Therapie aufzustehen, um dann noch davor arbeiten zu können. Ich wollte alles unter einem Hut bringen: Freunde, Arbeit, Sport, Freizeit, Familie und irgendwo dazwischen mich. Es fühlt sich richtig gut an, ständig am hustlen zu sein, ständig To-Do’s abzuarbeiten, ‚BUSY‘ zu sein. Ich lernte auch, egoistischer zu werden, mal nein zu sagen zu einem Kaffeeklatsch oder dem ein oder anderen Event. Das kam jedoch vielleicht etwas zu spät – denn da war sie schon, die:
  4. Die „Alles hat seinen Preis“-Phase:
    BIEEEEEEEP – hallo, lieber Tinnitus.
    Ein neuer Mitbewohner in meinem Ohr/Kopf. Nach mehreren Arztbesuchen und Gesprächen war die Ursache immer sehr eindeutig: Stress.
    Aber wieso Stress? Ich fühlte mich nicht gestresst. Ich fühlte mich lebendig wie noch nie. Es ging mit so gut, in dem ganzen Hin und Her hetzen, dem Hustlen, dem effektiv sein.
    Ich verstand die Welt nicht – wie kann die Ursache Stress sein, wenn ich mich nicht gestresst fühle?
    Natürlich hab ich dann oft, sehr oft, darüber nachgedacht, bis mir bewusst wurde, dass ich eigentlich mehr mache als der Tag lang ist. Für viele hört sich das jetzt vielleicht lächerlich an, gar nicht soo viel oder gar nicht soo anstrengend, aber ich kann nur sagen: Jeder Mensch ist anders, anders belastbar, strapazierbar. Wir alle haben unsere eigenen Grenzen – und meine wurde anscheinend deutlich überschritten. 
    Ich erkannte, dass das erste, an das ich beim Aufwachen denke ein To-Do war, das letzte, an das ich vorm Einschlafen dachte, ebenfalls. Wurde ungeduldig mit meinen Fortschritten und zu schnell frustriert, wenn etwas anders lief als erwartet. Ich musste absolut Einbremsen.
  5. Die „spirituelle“ Phase, welche zum Glück nicht nur eine Phase ist 
    Ich habe begonnen, mich mehr mit mir selbst zu beschäftigen, Bücher zu lesen, die mich weiter bringen, Podcasts zu hören, auch mal abzuschalten und einfach Serie zu kucken.
    Durch die Selbständigkeit sind viele neue Menschen in mein Leben getreten doch auch einige leider gegangen. Für jeden Einzelnen bin ich dankbar, ihn oder sie kennenlernen zu dürfen, denn ich konnte mir von jedem Einzelnen etwas Positives für mich mitnehmen. 
    Doch das seh ich JETZT so. Ich hätte lügen müssen, hätt ich das vor einem Jahr noch so gesagt. Ich war oft voller Wut auf viele Menschen, war traurig, hab viel zu viel Zeit damit vergeudet, darüber nach zu denken. Auf Englisch sagt es sich am Besten: OVERTHINKING! (btw., mach das nur, wenn du keine schlechten Gefühle dabei hast. Overthinking kann Wunderbares bewirken, jedoch dich auch in ein Loch reißen!).
    Ich habe in dieser Phase, in der ich mich wohl fühle und auch mich selbst neu kennengelernt habe, am meisten profitiert, auch meine Mitte gefunden, meine Work-Life-Balance. Und darum auch darauf geachtet, dass ich in dieser Phase bleibe, oder sie zumindest mitnehme ins neue Jahr.

Durch die Erkenntnis all dieser Phasen bin ich mehr als neugierig und freue mich so sehr, was noch kommt. Das alles in einem Jahr hätte ich nie für möglich gehalten. Und vielleicht sitze ich nächstes Jahr wieder hier, im Café, und schreibe über 2020, und darüber, wie naiv ich war und wie viel ich nochmal lernen konnte. Wie es auch wird – ich freue mich!!

Ich möchte auch transparent sein und euch, für meine Sicht, meine Vor- und Nachteile, die ich bisher herausfiltern konnte und die mir auch erst später bewusst wurden, zeigen:

ANGESTELLT: 
Ich war ja schließlich auch 2 Jahre in einem 40h Job. Daher kann ich zumindest aus dieser kurzen Zeit sagen was mir fehlt, was „besser“ oder anders war und was sich am meisten von jetzt unterscheidet.
– Natürlich, am meisten fehlen mir die Mitmenschen, die KollegInnen, die ich dort hatte und das tägliche sich Austauschen. Ich arbeite zwar mit Menschen, jedoch irgendwie trotzdem alleine.
– Außerdem VERMISSE ich das Gefühl, nach der Arbeit nach Hause zu kommen und zu sagen: Jetzt habe ich aus, Arbeit fertig, ich kann machen was ich will, ohne, dass ich noch an was denken muss.
Das Gefühl hatte ich eeeecht schon lange nicht mehr 😄 aber seien wir uns ehrlich: Wird die Sehnsucht zu stark, kann ich ja immer wieder zurück – also will ich mich mal nicht beschweren 🙂
– Bezahlter Urlaub haha – wie geil ist das denn? In Thailand am Strand liegen während das Geld von alleine kommt? Es gibt sicher viele Möglichkeiten, das auch außerhalb des Angestelltenverhältnisses zu erreichen, jedoch nicht in meiner Spate 🙂 Daher: GEIL. Ich schätze jeden Urlaub, in dem ich sagen kann, es geht sich aus.
– Und zu guter Letzt: Sich um nichts kümmern. Unglaublich, was einem alles erledigt wird, wenn man angestellt ist – das erkannte ich vorher nicht!
Steuern, Abzüge, Krankenversicherung, all das macht nun niemand für mich (schade eigentlich, sucht jemand einen Nebenjob? haha).

SELBSTSTÄNDIG:
– Ich glaube, viel Einblick habt ihr auf jeden Fall in meinen Stories. Die Freiheit ist wohl der schönste und größte Vorteil, den ich derzeit habe. Ich suche mir aus, wann ich arbeite, wieviel ich arbeite, mit wem ich arbeite! Will ich nächsten Mittwoch länger schlafen, dann arbeite ich halt später – Punkt. Muss es ja nicht mit meinem Boss klären (😎😛).
– Der finanzielle Aspekt – to be honest: Klar ist das ein Riesenvorteil. Ich verdiene besser als davor. Ob mit weniger Arbeit ist schwer abzuwägen aber mit hundertprozentiger Sicherheit mit weniger Patienten.
Ich kann im Grunde die Anzahl der Therapien halbieren (im Vergleich zum 40h Job) und bekomme das Gleiche raus.
Das berüchtigte 3. Jahr mit der großen SVA Rückzahlung lass ich jetzt mal weg…. das kann noch warten 😅 Sich selbstständig machen oder selbstständig werden in Österreich ist halt.. naja, wieder eine andere Story haha.
– Urlaub: Der große Nachteil mit der Bezahlung ist aber auch der größte Vorteil im Timing. Ich kann auf Urlaub, wann ich will. Nämlich wirklich: Wann ich will!!
Ich muss nicht fragen, wer Weihnachten oder Silvester auf Urlaub geht damit ich mir ausrechne, ob ich da auch noch gehen kann. Oder meine übrig gebliebenen Urlaubsstunden zählen um noch ein paar Tage in Italien oder Barcelona zusammen zu kratzen.
Das ist wirklich etwas, was ich liebe, und auch eine meiner größten Motivationen.
– Mein persönlicher Vorteil: Das Bloggen. Es geht sich alles um ein vielfaches besser aus als zuvor. Ich kann euch und auch mir so viel mehr Zeit widmen und ja, es macht mir schließlich auch Spaß 🥰
Auch viele Events oder Shootings, für die ich mir zuvor Zeitausgleich nehmen musste, sind einfach easy einzuplanen.

Mir fallen bestimmt im Laufe der Zeit noch unzählige Vorteile oder Nachteile (die Nachteile schließen sich ja jedes mal jeweils mit dem anderen Vorteil ein haha) ein, aber ich glaube man sieht, dass beides so seinen Reiz hat und man einfach schauen muss, mit was man glücklich ist!
Für mich spielt es keine Rolle, ob es mir in ferner Zukunft noch gefallen wird oder ich es noch genauso handhaben werde: Ich bin JETZT rundum zufrieden und das ist meiner Meinung nach das, was wichtig ist.

Ich hoffe, ihr habt einen schönen Einblick bekommen und mein Schreib-Diarrhö bisher durchgehalten 😂 bin jetzt auch schon fertig und hoffe, dass ich mich sehr bald wieder hinter die Tastatur für euch setzen werde!

Alles Liebe,
Ana